Erkrankungen der Atemwege kommen bei Meerschweinchen relativ oft vor und zählen zu den häufigsten Todesursachen.

Für diese kurze Zusammenfassung habe ich versucht,

Angaben aus der Literatur durch Berichte von Tierhaltern und Tierärzten

und durch Informationen aus dem Internet, speziell aus fachspezifischen Mailinglisten zu ergänzen.

 

Als "Atmung" bezeichnet man die Aufnahme, den Transport und die Abgabe gasförmiger Stoffe.
Jeder Organismus benötigt zum Leben Sauerstoff,

als Endprodukt dessen Stoffwechsels entsteht neben vielen wichtigen Verbindungen das giftige Kohlendioxid.

Transport und Austausch dieser Gase finden über die Atemwege statt,

dort kann das Blut gespeichertes Kohlendioxid abgeben und wird mit frischem Sauerstoff beladen.

 

Die Atemwege der Schweinchen

 

Obere Atemwege

Die Nasenhöhle enthält einige hoch spezialisierte Einrichtungen. Die Nasenmuscheln besitzen in ihrer Schleimhaut

ein reich verzweigtes Geflecht von Blutgefässen.

Diese verengen und erweitern sich je nach Temperatur der eingeatmeten Luft und sollen kalte Luft anwärmen.

 

Der Weg der Atemluft durch die Nasenhöhle

 

 

Andere Zellen können Flüssigkeit absondern und durch deren Verdunstung die Atemluft anfeuchten,
wieder andere filtern eingedrungene Fremdkörper heraus

und befördern sie in Richtung Naseneingang wieder nach draußen.

Die subjektiv wichtigste Funktion der Nase ist aber bei Tieren der Geruchssinn,

der wichtige Informationen wie essbar - nicht essbar, Männlein - Weiblein, Freund - Feind,

noch Gurke - schon Finger... ans Gehirn weitergibt und dort entsprechende Reaktionen veranlasst.
In die Nasenhöhle mündet ein Verbindungsgang zum Auge,

der Tränen- Nasen- Gang, durch den das Augensekret in die Nasenhöhle abfließt.
Besonderheit: Meerschweinchen besitzen keinerlei Nebenhöhlen im Kopfskelett,

weder Stirn-, Nasenneben- noch Kieferhöhlen.
Im Rachen kreuzen sich die Verdauungs- und die Atmungsorgane. Damit an dieser Kreuzung keine
Unfälle passieren, reguliert ein komplizierter Mechanismus den Verkehr.

 

 

Gaumensegel (G) und Kehldeckel (K) regeln den Verkehr von Atemluft (links) und Nahrung (rechts).

 

Besonderheit: Rachenmandeln (Tonsillen) fehlen den Meerschweinchen völlig!

Ein Meerschwein wird deswegen niemals eine "Mandelentzündung" haben können.
Der Kehlkopf ist aus einem Knorpelgerüst, Bändern und Muskeln aufgebaut.

Er beherbergt die Stimmorgane und ist so für die Lautäußerungen verantwortlich,

die ja beim Meerschweinchen außerordentlich vielfältig und wichtig sind.

Der Kehldeckel verschließt beim Schlucken den Eingang der Luftröhre.

 

 

Untere Atemwege

 

 

Die Luftröhre besteht aus hufeisenförmigem

Knorpelringen. Sie ist mit einer besonderen

Schleimhaut ausgekleidet, die Sekret, Staub

und kleinere Fremdkörper in Richtung Mundhöhle

befördern und dort den Hustenreiz zum endgültigen

Ausstoß dieser Teile auslösen kann.

 

Luftröhre und Verzweigung der Bronchien in der Lunge

 


An der Luftröhrengabelung teilt sich die Luftröhre in die zwei Hauptbronchien.

Diese führen in die Lunge und verzweigen sich dort wie die Äste eines Baumes.

Zur Peripherie der Lunge hin werden die Bronchien immer kleiner und gehen schließlich

in die Lungenbläschen, die Alveolen über.

Diese sind von einem dichten Netz kleinster Blutgefässe, den Kapillaren, umgeben.

Durch die Wand der Alveolen und der Kapillaren findet schließlich der Gasaustausch statt.
Die Lungenflügel sind in eine tierartlich unterschiedliche Anzahl von Lungenlappen unterteilt.

Die Lunge der Meerschweinchen besteht aus 4 Lungenlappen an der rechten

und 3 Lungenlappen an der linken Seite.

 

 

Krankheiten der Atemwege

Erkrankungen der Atemwege kommen bei Meerschweinchen relativ oft vor

und zählen zu den häufigsten Todesursachen.

In den meisten Fällen sind die Hauptursache aber nicht Krankheiten als solche,

sondern Fehler oder Versäumnisse in der Haltung oder der Ernährung der Tiere,

die das Entstehen dieser Krankheiten erst begünstigen.
Zugluft, zu feuchte oder zu trockene Luft, abrupte Temperaturwechsel, mangelhafte Reinigung der Unterkünfte,

Ernährungsmängel, plötzlicher Futterwechsel, Lärm, soziale Probleme wie Streitereien,
fehlende Rückzugsmöglichkeiten und alle anderen Stresssituationen können die körpereigenen
Abwehrkräfte schwächen und Erkrankungen entstehen lassen.
Zahlreiche Bakterien, Pilze und Viren verursachen akut oder chronisch verlaufende Erkrankungen.
Leider ist das Erscheinungsbild von Infektionen beinahe immer gleich und man kann selten

an Hand der Symptome auf den ursächlichen Erreger schließen.
Meerschweinchen können sich nicht nur an Artgenossen infizieren, auch Infekte anderer Tiere
(Kaninchen!) oder sogar des Halters können bei zu intensivem Kontakt auf sie übergehen.

 

 

Symptome
Je nach Schweregrad und Dauer einer Erkrankung entwickeln sich unterschiedliche Symptome.
Viruskrankheiten sind im Anfangsstadium meist überhaupt nicht zu erkennen.

Häufig bemerkt der Besitzer anfangs nur eine feuchte Nase und gelegentliches Niesen,

dem folgen tränende Augen und beschleunigte Atmung.

In diesem Krankheitsstadium haben die Tiere meist hohes Fieber.

Dadurch wird das Immunsystem geschwächt und wenn jetzt nicht rechtzeitig gehandelt wird,

entstehen zusätzlich bakterielle Sekundärinfektionen.

Die zeigen sich daran, dass plötzlich das Nasensekret eine weiße oder gelbliche Farbe annimmt,

die Nase verkrustet, die Augen verkleben, Atemgeräusche wie knacken, rasseln oder pfeifen zu hören

und eine deutlich veränderte Atemfrequenz, pumpende oder sogar Mundatmung festzustellen sind.

Die meisten Tiere stellen spätestens jetzt die Futteraufnahme ein,

sitzen mit gesträubten Haaren in einer Ecke und sind deutlich sichtbar krank.

 

 

Erkrankungen

 

 

An der Nase treten selten schwerwiegende

Erkrankungen auf, meist handelt es sich um

äußerliche Verletzungen nach Streitigkeiten

oder um lokale Entzündungen der Schleimhaut,

z.B. ein Übergreifen eines Lippengrind oder

von Pilzinfektionen auf die Nasenschleimhaut.

Gelegentlich kommt es zu Nasenbluten

oder zu Störungen, die von "verschluckten" Haaren

oder Futterteilen in der Nasenhöhle verursacht werden.

 

Lippen/Nasengrind

 

 

In Rachen und Kehlkopf sind Entzündungen der Schleimhaut durch Bakterien, Pilze und Viren zu finden,

die ihren Ursprung meistens in Verletzungen der Schleimhaut durch Zahnspitzen haben.
Bakterien verursachen meist eine deutliche Rötung der Schleimhaut,

Pilze (Soor) bewirken weiße Stippchen und/oder weiße Beläge,

bei Virusinfektionen entstehen flüssigkeits gefüllte Bläschen (Stomatitis vesicularis).

All diese Veränderungen können akut lebensbedrohlich sein,

weil sie oft die völlige Einstellung der Nahrungsaufnahme (Schlucklähmung) zur Folge haben.

Durch die "Eustachische Röhre" besteht zwischen dem Rachen und dem Innenohr eine direkte Verbindung,

so dass Infektionen auch die Ohren schmerzhaft in Mitleidenschaft ziehen können.

Entzündungen des Stimmapparates bewirken ungewohnte Änderung der Stimmlage.
Entzündung der Bronchialschleimhaut entstehen meist im Zusammenhang mit Infektionen,

seltener mechanisch durch Dämpfe, Gase, Rauch oder Staub.

Hauptsymptome einer Bronchitis sind der teilweise schmerzhafte Husten,

vermehrte Schleimbildung und rasselnde Atemgeräusche.
Primär nicht infektiöse Erkrankungen der Lunge sind die Aspirationspneumonie, Tumore und das Lungenödem.
Eine Aspirationspneumonie entsteht durch das Einatmen von Nahrung, z.B. beim Verschlucken,

bei Schlucklähmungen oder unsachgemäßer Zwangsfütterung.

Dabei wird Speisebrei eingeatmet und erzeugt eine besonders schwere Form der Lungenentzündung.

 

 

Tumore sind meist Adenome oder

Metastasen von Tumoren anderer Organe.
 

Unter einem Lungenödem versteht man die

Ansammlung von Flüssigkeit im Lungengewebe.

Dadurch wird die für den Gasaustausch

erforderlichen Oberfläche der Lunge

drastisch verkleinert.

Die Erkrankung kommt beim Schweinchen

hauptsächlich zusammen mit Herzkrankheiten

und bei allen Schockzuständen vor.

 

 

Lunge

 

 

Infektionskrankheiten

 

 

Beim Meerschweinchen kommen wenige Infektionskrankheiten vor,

die spezifisch für die Atemwege sind. Häufiger sind Erkrankungen anzutreffen,

die neben anderen Symptomen zusätzlich Atemwegserkrankungen verursachen können.

 

Lungenentzündung

 

 

Da die Infektionskrankheiten alle in etwa den gleichen Verlauf und die gleichen Erscheinungen zeigen,

macht es wenig Sinn, sie jetzt alle bis ins kleinste Detail zu beschreiben.

Ich versuche, mich deswegen auf etwaige Unterscheidungsmerkmale zu beschränken.
Eine Erkrankung beginnt normalerweise mit Fieber, Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Nasen- und Augenausfluss,

Atemgeräuschen, beschleunigter Atmung, Appetitlosigkeit und geändertem Verhalten.
Die Symptome sind meist ziemlich eindeutig. Der Erreger ist auf Anhieb nicht zu erkennen

und nur durch weitergehende Untersuchungen feststellbar.

Eine Erstbehandlung kann deswegen nur aus einer Therapie der Symptome und

der Gabe von Breitspektrum- Antibiotika bestehen.
 

Virus- Pneumonie
Die Viruspneumonie ist eine tödlich verlaufende Virusinfektion durch ein für Meerschweinchen
spezifisches Adeno- Virus. Ansteckung und Verbreitung erfolgen durch virushaltigern Kot und Urin
oder durch Tiere untereinander. Die Sterblichkeit ist außerordentlich hoch.

Dagegen sind Ansteckungs- und Erkrankungsrate meist gering.
Ähnliche Infektionen mit Adeno- Viren sind auch vom Menschen und anderen Tierarten

(Fohlen, Hund) bekannt.
 

Streptokokkeninfektion
Der häufigste Erreger von Atemwegserkrankungen der Meerschweinchen ist

Streptococcus zooepidemicus.

Streptokokken sind Eitererreger, die an den Schleimhäuten des Verdauungstraktes vorkommen.

Sie verursachen beim Meerschweinchen bei akutem Verlauf Lungenentzündungen,

in der chronischem Form Abszessbildung, die bevorzugt in den Halslymphknoten beginnt.
Giftige Stoffwechselprodukte der Bakterien zerstören die roten Blutkörperchen und die Wände der Blutgefäße.

So kann es zum Austritt des Blutfarbstoffes und der Erythrozyten in die Alveolen

und weiter in die Atemwege, Mund und Nase kommen.

Symptome bei der akuten Form sind deswegen
blutiger Mund- und Nasenausfluss und manchmal blutig gefärbter Urin.
 

Diplokokkeninfektion
Diplokokken besiedeln häufig die Schleimhäute der oberen Atemwege von Mensch und Tier,

ohne Krankheitserscheinungen hervorzurufen.

Kontaktpersonen können, ohne selbst krank zu sein, den Erreger auf Meerschweinchen übertragen.
Der Krankheitsverlauf ist meist unauffällig. Eine absteigende Infektion hat die Entzündung von
Bronchien, Lunge und Brustfell zur Folge und ist oft mit eitrigen Flüssigkeitsansammlungen
verbunden. Die Sterblichkeitsrate ist hoch.
 

Klebsielleninfektion
KlebsielIen sind normale Bewohner der Schleimhäute des Nasen- Rachen- Raumes sowie des
Verdauungskanals. Klebsiella pneumoniae verursacht beim Meerschweinchen vor allem schwer
verlaufende Entzündungen von Lunge und Brustfell (Pleuropneumonien).
Bei perakutem Verlauf können die Tiere innerhalb von Stunden sterben, ohne dass vorher Symptome
erkennbar waren. Beim akuten Krankheitsverlauf kommt es zu schweren Pneumonien mit Todesfällen
nach 2 - 3 Tagen. Beim chronischen Verlauf fallen eitriges Nasensekret, krustig verklebte Nasenlöcher
ohne Augenausfluss auf. Für gesunde Tiere ist die Ansteckungsgefahr sehr groß.
 

BordeteIleninfektion
BordeteIlen sind als Bewohner der Schleimhäute sowohl bei Meerschweinchen als auch bei anderen
Tierarten verbreitet. Sie werden häufig bei Erkrankungen der Atemwege angetroffen, jedoch auch bei
klinisch gesunden Tieren. Die Infektion mit Bordetella bronchiseptica erfolgt über die Atemwege. Es
entsteht eine eitrige Bronchopneumonie, die besonders auf die Spitzenlappen der Lunge beschränkt ist.
Durch Schnupfen und das Auftreten von Sekundärinfektionen ist mit hohen Verlusten zu rechnen.
Eine Schutzimpfung ist möglich!
 

Pasteurellose
Die Pasteurellose kann in Meerschweinchenbeständen zu seuchenhaftem Krankheitsausbrüchen führen.

Der Erreger, Pasteurella multocida, wird häufig als harmloser Keim auf den Schleimhäuten
gesunder Tiere gefunden. Die Ausscheidung des Erregers erfolgt über Kot und Nasensekret.

Die Ansteckung erfolgt als Tröpfcheninfektion

oder durch Aufnahme der Keime mit infiziertem Grünfutter.
Bei akut erkrankten Tieren treten eine blutige Entzündung der Schleimhäute

des Atmungstraktes und blutiger Durchfall auf.

Bei chronischem Verlauf stehen respiratorische Erscheinungen im Vordergrund.

Es entsteht eine Bronchopneumonie mit blutig- eitrigem Ausfluss aus der Nasenhöhle
und teilweise blutigem Durchfall. Bevorzugt erkranken Weibchen und Jungtiere.

Eine Schutzimpfung ist möglich!
Die folgenden Erreger besiedeln eher andere Organe, können sich aber auch in den Atemwegen
festsetzen. Sie sind deswegen besonders erwähnenswert, weil sie auch beim Menschen
lebensgefährliche Erkrankungen verursachen können.
 

Pseudotuberkulose (Rodentiose)
Die Ansteckung erfolgt beim Meerschweinchen oral durch Aufnahme von verunreinigtem frischem
Grünfutter oder Wasser, das mit Ausscheidungen von Vögeln, Hasen oder Kaninchen verunreinigt ist.
Eine Blutvergiftung führt meist ohne vorhergehende klinische Erscheinungen oder mit Husten und
Atemnot innerhalb von 1 - 2 Tagen zum Tod.
 

Chlamydien
Die Übertragung von Chlamydophila caviae erfolgt aerogen oder durch direkten Kontakt.

Die Erkrankung verläuft mit grippeähnlichen Anzeichen wie Pneumonie, Fieber, Muskelschmerzen.
 

Pseudomonaden
Pseudomonaden sind Bakterien, die als sogenannte "Pfützenkeime"

überall in der Umwelt vorkommen. Sie sind deswegen besonders gefährlich,

weil sie sich in eine Schleimhülle einkapseln können,

die sie gegen die Fresszellen des Immunsystems und Antibiotika schützt.

Sie lassen sich im chronischen Stadium nicht mehr aus den Atemwegen eliminieren.

 

 

Diagnose

 

 

Röntgenbild von Herz und Lunge

Oft erschwert das Fehlen eindeutiger Symptome

eine frühzeitige Diagnose.
Im Krankheitsfall wird die klinische Untersuchung mit Abhören,

Fieber messen, Puls fühlen und beobachten der Atemfrequenz

schnell zu einer Diagnose führen.
Eine röntgenologische Untersuchung ist im Verdachtsfall angebracht.

Sie kann zeigen, ob und in welchem Ausmaß Veränderungen

wie z.B. Verschattungen im Bereich der Lungen vorliegen.

Nachdem Erreger nicht so ohne weiteres unterschieden

werden können kann es sinnvoll sein, Nasen oder Augensekret

oder gar Rachentupfer bzw. eine Nasenspülprobe zu untersuchen

und einen kulturellen Erregernachweis und ein

Antibiogramm erstellen zu lassen.
Im Todesfall ist, besonders wenn andere Tiere von der

gleichen Krankheit betroffen oder gefährdet sind,

eine Sektion sinnvoll.

 

 

Differentialdiagnosen

   

Schock
Ein Schock wirkt sich bei unterschiedlichen Spezies

auf verschiedene Organsysteme aus.

Es gibt typische Schockorgane,

die zuerst Symptome zeigen.

Das Schockorgan des Meerschweinchens

ist die Lunge.

Unabhängig von der Ursache des Schocks

kommt es dort zu Ödemen, die Atemnot oder den
sofortigen Tod bewirken können.

Herzkrankheiten
Die unmittelbare Nachbarschaft von Herz und Lunge

führt manchmal dazu,

dass Erkrankungen der Kreislauforgane

wie z.B. Ödeme nicht eindeutig von solchen

der Lungen abgegrenzt werden können.

 

 

 

 

   

Allergien
Allergien sind bei den Schweinchen auf unterschiedlichste Stoffe (Einstreu, Heu, Grassorten u.v.a.)
anzutreffen, sie beginnen mit Entzündungen der Atemwege und der Augen.
 

Therapie
Die Form der Behandlung und die Art der dabei eingesetzten Medikamente hängen natürlich vom
aktuellen Krankheitsbild ab. Entscheidend für den weiteren Verlauf einer Erkrankung kann schon der
Beginn der Behandlung sein. Man muss nicht wegen jedem Hüsteln oder ein paar Niesern das
Schweinchen in ein Dampfbad stecken oder zum Tierarzt laufen, es sollte aber immerhin ein
Alarmsignal sein, dieses Tier ab sofort gut zu beobachten.
 

Antibiose
Wenn dann eine tierärztliche Behandlung nötig erscheint, steht an erster Stelle die Auswahl eines
geeigneten Antibiotikum. Man kann zwar bei Virusinfektionen damit gegen die Erreger nichts
ausrichten, immerhin können bakterielle Begleitkeime bekämpft werden. Dieses Antibiotikum sollte
wegen der hohen Stoffwechselrate der Meerschweinchen mindestens 2 x täglich verabreicht werden.
Zusätzlich können Glukokortikoide oder NSAID's verabreicht werden.

Sie sorgen für eine Erleichterung der Atmung,

bewirken einen Rückgang des Bronchialödems und sind außerdem stark entzündungshemmend.
Zusätzlich kann man noch Kreislaufmittel und/oder Theophyllin verabreichen. Letzteres erweitert die
Bronchien, so dass die Atmung erleichtert wird.
Eine Lungenentzündung muss ausreichend lange mit einem Antibiotikum behandelt werden, d.h.
mindestens 9 - 10 Tage, da es sonst recht schnell zu Rückfällen kommen kann. Tiere die nicht fressen
müssen künstlich ernährt werden, gleichzeitig ist die Gabe von Probiotika zu empfehlen, damit die
Darmflora sich leicht von der Antibiotikagabe erholen kann.
 

Symptomatische Behandlung

 

Zusätzlich zur antibiotischen Therapie

oder bei nurleichten Krankheitserscheinungen

kann eine symptomatische Behandlung

gute Erfolge erzielen.

Dazu gehören Schleimlöser wie z.B. Salbeitee,
Fenchel-Honig, Azetylcystein oder Bisolvon.
Auch mit Inhalationen kann spürbar Erleichterung geschaffen werden.

Dazu sind z.B. Badezusätze wie Erkältungsbäder,

Kamille, ätherische Öle wie Eukalyptus-

oder Thymianöl geeignet.

 

Sehr wertvoll kann angebotene Wärme in Form von Heizkissen, Wärmflaschen oder Rotlicht sein.
Um nicht gegrillte Schweinchen zu erhalten müssen diese Wärmequellen regelmäßig kontrolliert und
vor allem den Tieren die Möglichkeit geben werden, sich bei Bedarf selbständig davon zu entfernen.
Zusätzlich können die körpereigenen Abwehrkräfte gesteigert werden, z.B. durch Vitamin- C,
pflanzliche Präparate wie Echinacin und ähnliche Immunstimulantien. Sauerstoff, auch in Form von
frischer Luft, kann die Atmung sehr erleichtern.
Letztendlich muss man auch daran denken, je weniger Staub aufgewirbelt wird,

desto angenehmer ist das Raumklima gerade für gereizte Schleimhäute.

Deswegen ist es sinnvoll, Heu und Einstreu so staubarm wie möglich zu halten.
Bei chronischen Erkrankungen empfehlen sich Inhalation bzw. stündliches Einsprühen der
Nasenschleimhaut mit physiologischer Kochsalzlösung.

 

 

Vorbeuge

Nachdem Erkrankungen der Atemwege nur schwer und meist langwierig behandelt werden können,
sind Vorbeugemaßnahmen besonders wichtig.

Die bestehen aus optimaler Haltung bei möglichst gleich bleibenden Umweltbedingungen,

regelmäßigem Säubern der Unterkünfte, Quarantäne für Neuzugänge.

Die Tiere müssen an eine geänderte Umwelt langsam angepasst werden,

d.h. nicht ab Frühlingsanfang hinaus in den Garten setzen

sondern erst langsam über mehrere Tage für kurze Zeit akklimatisieren.

Das gleiche gilt umgekehrt, wenn ein Tier bei Minusgraden zu leben gewohnt ist,
könnte der Aufenthalt in einer geheizten Wohnung fatale Folgen haben.

Wenn ein Schweinchen gebadet werden muss,

darf es hinterher erst absolut trocken wieder entlassen, muss eventuell gefönt werden.
Jeder Halter sollte seine Tiere Tag für Tag beobachten, ob Änderungen im Appetit, im Verhalten,

der Atemfrequenz oder andere Abweichungen vom Normalen zu sehen sind.

 

 

Zusammenfassung
Erkrankungen der Atemwege kommen bei Meerschweinchen relativ oft vor

und zählen zu den häufigsten Todesursachen.

Die meisten werden von Keimen verursacht,

die bereits im Körper oder seinem näheren Umfeld zu finden sind.

Sie verursachen aber oft nur dann Krankheiten,

wenn gleichzeitig zusätzliche ungünstige Umstände auftreten.

Nachdem diese Krankheiten lebensbedrohlich sein können,

kommt der Vorbeuge eine ganz besondere Bedeutung zu.

Vorbeugen ist besser

und vor allem viel effektiver als heilen - und dazu viel billiger.
Falls ein Schweinchen trotz aller Vorbeuge Anzeichen einer Erkrankung zeigen sollte,

kann ich nur eindringlich empfehlen, unverzüglich einen Tierarzt aufzusuchen.

Diese Informationen ersetzten NICHT den Tierarztbesuch !!!!

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Medizinische Beratung: Dr. Hermann Wenzel/Deutschland - Ehrenmitglied des MFiÖ

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