Bumblefoot - Ballenabszess

 

Aus MFIÖ Nachrichten 1/2004 

Autor: Dr. Hermann Wenzel


 

Ballenentzündungen und Ballenabszesse ("Bumblefoot") treten meist bei gut genährten  Meerschweinchen auf.

Die Haltung auf ungeeignetem Untergrund, Bewegungsmangel,

Leberverfettung und Mangel an essentiellen Fettsäuren scheinen die Entstehung zu begünstigen.

 

(Photo: Dr. Josef Ferber)

(Photo Dr. Hermann Wenzel)

 

 

Ursprünglich wurden die Ballenabszesse häufig bei Labortieren gefunden, die in Käfigen mit Drahtböden gehalten wurden.

Auf weicher Einstreu (Hobelspäne) und auf festem Untergrund (Freiland) dürfte die Gefahr am geringsten sein,

weil die Sohlen entweder überhaupt nicht strapaziert werden oder sich feste Hornhaut bildet.

Ich habe hier negative Erfahrungen mit der Hanfstreu gemacht, da sind stellenweise recht spitze Teile darinnen,

die Verletzungen begünstigen können. Ich spür das immer bei Großreinemachen ;-))

Andererseits saugt  aber die Hanfstreu so viel Flüssigkeit auf, dass ich auch nicht darauf verzichten möchte,

deswegen die Kombination Hanf + Späne. Mit anderen Variationen hab ich keine Erfahrung.

Kleinste Verletzungen führen über Infektionen mit Staphylokokken oder Streptokokken zur Abszeßbildung.

Auch an Pilzinfektionen muß stets gedacht werden.

Ballenabszesse sind meist sehr schmerzhaft und langwierig und außerordentlich schwierig zu behandeln

Das A und O  ist die Haltung auf ganz weichem Untergrund,

damit möglichst wenig Druck auf das Beinchen ausgeübt wird.

Mit Salben und Spülungen ist das so ein Problem, es gibt unzählige, die helfen könnten,

welche aber die beste gerade für dieses Einzeltier ist, zeigt sich erst bei der Anwendung.

 

Wir sind bisher so vorgegangen:

Das Bein wird gebadet.

Wir benutzen dazu ein Schnapsglas

halb voll mit gerade noch erträglichem warmen Wasser,

zusätzlich eventuell noch Lavasept zur Desinfektion

oder schwarzen Tee hinein.

 

Das wirkt nach eigener Erfahrung besser als jede Zugsalbe oder jedes Eröffnen auf den Abszess.

 

(Photo Dr. Hermann Wenzel)

 
 

Nach dieser Prozedur wird das Bein abgetrocknet

und von Eiter und Wundsekret gereinigt,

dann ein Papiertaschentuch mit Salbe

(z.B. Nekrotylan, Panolog, Bepanthen)

für 5 Minuten um den Fuß gewickelt.

Eigene Tieren bekommen hinterher einen Verband angelegt

und werden wieder ins Gehege entlassen.

 

 

(Photo: Dr. Hermann Wenzel)

 

Pflegetiere erhalten je nach Aussehen des Beines entweder gar keinen Wundschutz

oder einen Verband und müssen zusammen mit einen "Gesellschaftsschweinchen"

(nach dem Motto: "lass kein Schwein je allein") einen Käfig beziehen, der mit Handtüchern ausgelegt ist,

die mehrfach täglich gewechselt werden.

Ein Antibiotikum geben wir - wenn überhaupt - zunächst für 2 - 3 Tage.

Länger ist dies aber routinemäßig meist nicht erforderlich.

Wir haben auch von guten Erfahrungen mit Laserbehandlungen (Soft- Laser) gehört.

Problem ist hauptsächlich der Wundverband, das erfordert einige Übung,

bis der so sitzt, dass ein Schweinchen ihn nicht sofort wieder verliert.

Hier im "Einfraubetrieb" war die optimale Lösung, mit  selbsthaftendem Verbandsmaterial (Peha- Haftbinden)

einen kleinen "Schuh" auf der Fingerkuppe des eigenen kleinen Fingers zu erstellen,

der dann mit Watte oder Salbe angefüllt  über das kranke Beinchen gestülpt und dort befestigt wurde.

 

Die Chancen für eine schnelle Heilung sind schlecht, nicht aber für eine Heilung.

Da darf man locker mit mindestens drei bis vier Wochen rechnen.


Diese Informationen ersetzten NICHT den Tierarztbesuch !!!!

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