Freilauf

Mehr Spaß beim Freilauf

von Dr. Marion Reich

Meerschweinchen sind Tiere mit einem großen Bewegungsbedürfnis - besonders im ersten Lebensjahr. Und auch wenn sie später eigentlich nur mehr aus dem Käfig kommen, um sich in irgendeiner Ecke in aller Ruhe ein Nickerchen zu gönnen, sollte man seinen Tieren auf jeden Fall regelmäßigen Freilauf im Zimmer ermöglichen. Meine Schweinebande darf zwei Mal am Tag die Wohnung unsicher machen, meistens halten sie sich dabei allerdings nur in einem Zimmer auf. Und sie genießen die Möglichkeit zum Freilauf - oder auch zum Freischlafen - in vollen Zügen.

Damit Meerschwein seinen Freilauf optimal genießen kann, muss man ein paar grundlegende Dinge beachten:

Erstens sind Meerschweinchen Nagetiere. Wenn Sie also das große Los eines besonders nagefreudige Vertreters seiner Art gezogen haben, kann es passieren, dass Meerschwein alles annagt. Meistens befindet sich nur ein großer Nager in einer Meerschweinchengruppe - zumindest ursprünglich. Denn die Eigenschaft, alles anzunagen, kann in hohem Maße ansteckend sein. Die Konsequenz: Die Meerschweinchen sollten zunächst einmal an nichts herankommen, das für sie (oder ihr gutes Zusammenleben mit ihren Haltern) schädlich sein könnte. Besonders gilt dies für jedes Elektro- oder Telefonkabel, für giftige Zimmerpflanzen, für alles aus Papier, auf das der Halter noch Wert legt, und auch für (wertvolle) Möbel oder Teppiche. Meerschweinchen sind zwar im Allgemeinen nicht so effektiv in ihrer Zerstörungskapazität wie zum Beispiel Kaninchen, aber das eine oder andere kann schon zu Höchstleistungen auflaufen. Und außerdem sind Meerschweinchen normalerweise nicht zur Stubenreinheit zu erziehen.

Wenn Ihnen also am Perserteppich Ihrer Großmutter etwas liegt, sollten Sie vielleicht einen anderen Raum für das muntere Meerschweinchenlaufvergnügen wählen.

Als Laufgrundlage eignet sich alles, das nicht zu rutschig ist. Da kommen Teppichböden meistens an erster Stelle in der Beliebtheitsskala (nach Gras versteht sich). Je rutschiger und kälter ein Untergrund ist, desto weniger wird er geschätzt. Nachdem die kleinen Mitbewohner, wie schon erwähnt, nicht stubenrein werden, eignen sich Fleckerlteppiche oder alte Handtücher, die man regelmäßig in die Waschmaschine stopfen kann, gut als Unterlage für die bevorzugten Liege- oder Spielplätze.

Kommen wir zur Raumgestaltung. Wenn Sie Ihre Meerschweinchen in einem Zimmer laufen lassen, in dem sich nur Möbel befinden, die zum Boden hin dicht abschließen, werden die Meerschweinchenherzen nicht höher schlagen. Meerschweinchen brauchen Deckung, auch und besonders beim Freilauf. Steht ein Tisch und Sesseln in dem Zimmer, schaut es aus Meerschweinperspektive schon etwas besser aus, ein Sofa, unter dem man verschwinden kann, oder Vorhänge, die bis zum Boden hinunterreichen, sind ein Haupttreffer. Berücksichtigen Sie daher, wenn möglich, schon bei der Wahl Ihrer Möbel Ihre kleinen Hausgenossen.

Etwa 12-15 cm Bodenabstand betrachten die meisten Meerschweinchen als freundliche Einladung, auch 10 cm reichen aus, um sich darunter zu quetschen. Und vor Minischweinen ist natürlich überhaupt kaum ein Spalt sicher. Wenn Sie schon einmal versucht haben, Meerschwein unter dem Sofa hervorzubekommen, wenn es keine Lust dazu hatte, werden Sie sich an meine Worte erinnern, ich spreche schließlich aus Erfahrung ;-)

Um ein Zimmer so richtig meerschweinchengerecht zu machen, müssen also alle Kabel so versteckt werden, dass sie vor Zahnattacken sicher sind - und Sie sollten den kleinen Rackern genug Spielzeug anbieten, damit sie Dinge in Ruhe lassen, an denen vielleicht Ihr Herz hängt. Nun sind Meerschweinchen ja nicht unbedingt Tiere, die für ihre große Spielfreude bekannt sind. Sie tanzen weder hinter irgendwelchen Federbüscheln oder Stoffmäusen her, noch ist es ihnen zuzumuten, ein Balli oder Stocki zu apportieren. Das ist aber auch nicht verwunderlich. Man könnte zwar argumentieren, dass Meerschweinchen mehr Stolz haben, als für Stoffmaus oder Balli einen Affen aus sich zu machen, aber der Grund liegt einfach darin, dass Meerschweinchen keine Raubtiere sind und daher im Spiel auch weder Jagdverhalten noch Apportierverhalten zeigen, denn es gehört einfach nicht zu ihrem natürlichen Verhaltensrepertoire.

Was Meerschweinchen gerne tun - und in der Beziehung zeigen sie auch deutliches Spielverhalten - ist Laufen und Nagen. Daher braucht Meerschwein eben auch unbedingt den regelmäßigen Freilauf im Zimmer, um sich so richtig auszutoben - und eine Laufstrecke, auf der sich die kleinen Kameraden sicher fühlen. Ideal sind - wie schon erwähnt - Verstecke unter Tischen, Stühlen und Regalen oder auch unter dem Sofa, wenn man sich auf dieses Abenteuer einlassen will, strukturierter Lebensraum also, in dem man schnell in Deckung gehen kann. Wenn sie Meerschwein in einem leeren Flur "aussetzen", in dem es sicher nichts kaputt oder schmutzig machen kann, wird es entweder sein Heil in einer kopflosen Flucht suchen oder - und das ist die wahrscheinlichere Reaktion - wie erstarrt sitzen bleiben. Vermutlich rührt die irrige Annahme vieler Meerschweinchenhalter, dass ihre Tiere ohnehin nicht laufen wollen, von einem einmaligen Versuch mit oben beschriebenem Ausgang her. Glauben Sie mir, alle Meerschweinchen wollen laufen.

Und Meerschweinchen sind zwar keine großen Springer, aber sie verschwinden gerne in Körben oder auf unterste Regalbretter. Ein eigener Heukorb, mit einem Rand von maximal 15 cm Höhe, besser etwas niedriger, ist eine große Attraktion. Regelmäßiges Ausmisten dieses Korbes ist natürlich ein Muss! Kuschelsachen sollten auch in keinem Freilauf fehlen. Besonders beliebt sind bei meinen Schweinen die Kuschelrollen, durch die man durchrasen, in denen man aber auch ein bequemes Nickerchen halten kann. Kartonschachteln, in die man eine oder mehrere Öffnungen geschnitten hat, oder Pappröhren sind ebenfalls immer ein Renner - in jedem Sinne des Wortes.

Wenn Sie lange Pappröhren verwenden wollen, können Sie seitlich ein paar Öffnungen hinein schneiden, so dass Ihre Meerschweinchen mehrere Ein- und Ausgänge zur Verfügung haben. Jeder Ausgang ist gleichzeitig ein hervorragender Ansatz- punkt für scharfe Zähne.

Auch der Heukorb wird gerne benagt - sollten Sie Rattanmöbel zuhause haben, würde ich von einem Heukorb allerdings absehen und mich lieber auf Pappröhren und Kartonschachteln konzentrieren, denn wenn Meerschwein einmal auf den Geschmack gekommen ist, gibt es unter Umständen kein Halten mehr.

Natürlich gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, das Meerschweinchen-Zimmer abwechslungsreich zu gestalten. Wenn man einmal anfängt, durch einen Baumarkt oder ein Möbelhaus zu spazieren und die Dinge aus Meerschweins Perspektive zu betrachten, wird man rasch fündig. Aber auch die leere Kopierpapierschachtel aus dem Büro oder ein großer Papiersack werden freudig angenommen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren vierbeinigen Mitbewohnern viel Spaß beim Freilauf!

Marion Reich

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Aktualisierung:

23.11.2013

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