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Käfige mit Plastikhaube - eine Gefahr für Meerscheinchen und andere Nager
Autor: Dr. Marion Reich - Tierschutzreferentin der MFIÖ Beitrag aus den Meerschweinchennachrichten des Vereins der Meerschweinchenfreunde in Österreich Ausgabe 4/2005
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Liebe Meerschweinchenfreunde, Ich war bis jetzt der naiven Annahme, dass solche Käfige eher eine Ausnahmeerscheinung sind, mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher. Daher
in aller Kürze was man bedenken muss, wenn man Meerschweinchen in
diesen „Plastikwannen“ hält. Erstens
sind Meerschweinchen Tiere, die gerne regen Anteil an ihrer Umwelt
nehmen. Ihr Sehsinn ist aber wesentlich schlechter ausgeprägt als ihr
Geruchssinn. Durch Gitterstäbe hindurch lässt es sich gut schnüffeln
– im Gegensatz zu Plastikwannen. Zweitens
kommt es in diesen geschlossenen Behältnissen leicht zu einem
Hitzestau, da die Luft nicht richtig zirkulieren kann. Das kann sogar in
einer gut beheizten Wohnung im Winter zum Problem werden, während einer
sommerlichen Hitzewelle kann es fatale Folgen haben. Und
drittens – als ob es nicht schon genug wäre, dass die Tierchen
olfaktorisch von der Umwelt abgetrennt sind und unter Hitzewallungen
leiden – ist die fehlende Luftzirkulation der Grund für ernste,
gesundheitliche Probleme, die sich einstellen können.
Die Ursache allen Übels liegt im Stoffwechsel. Meerschweinchen – wie zum Beispiel auch der Mensch – nehmen Proteine (Eiweiß) mit der Nahrung auf und bauen sie in kleine Bausteine, die Aminosäuren, ab, die wiederum als Baustoffe für alle körpereigenen Proteine dienen.
Diese Aminosäuren tragen, wie der Name schon sagt, eine oder mehrere Aminogruppen, die Stickstoff enthalten. Der Stickstoff wird im Zuge des Eiweißabbaus zu Ammoniak umgewandelt. Und Ammoniak ist ein Zellgift, das rasch ausgeschieden werden muss. Meerschwein und Mensch bauen diesen Ammoniak zu Harnstoff um und scheiden ihn mit dem Harn aus.
Vögel
bilden dagegen Harnsäure, die ebenfalls ausgeschieden wird. (Das Weiße
auf einem „Vogelschwatz“ ist Harnsäure.) So ist der Körper den Ammoniak geschickt losgeworden, nur was passiert jetzt im Meerschweinchenkäfig. Hier zersetzt sich der Harnstoff und setzt wieder Ammoniak frei. Ammoniak ist ein stark riechendes, ätzendes Gas, die alles andere als gesund zum Einatmen ist. Sie kennen den charakteristischen Geruch vom Käfigausmisten. Wenn der Käfig zu lange nicht gesäubert wird, können die Meerschweinchen bei dauernder Ammoniakbelastung leicht Atemwegserkrankungen entwickeln. Da
Ammoniak gut wasserlöslich ist, wird er über die Nasenschleimhaut
absorbiert und kann sie in hohen Konzentrationen schwer schädigen. Um die Ammoniakbelastung so gering wie möglich zu halten, sollte man möglichst saugfähige Einstreu verwenden, den Käfig regelmäßig ausmisten und für ausreichende Luftzirkulation im Käfig sorgen.
In den herkömmlichen Käfigen mit Gitteroberteil tritt natürlich auch eine Ammoniakbelastung der Tiere auf, aber nachdem es zu einem ungehinderten Luftaustausch mit der Umgebung kommt, werden sich keine negativen Begleiterscheinungen einstellen, wenn man die Tiere sauber hält. In
Käfigen mit Plastikhaube ist das leider anders, da es zu keinem
ausreichenden Luftaustausch mit der Umgebung kommt und die Tiere
regelrecht in Ammoniaksuppen sitzen. Warum werden diese Käfige dann überhaupt im Handel angeboten, wenn sie so schädlich sind? Ich kann natürlich nur spekulieren, aber ich denke, sie sollen die Zielgruppe der peniblen Hausfrau (oder des peniblen Hausmannes) ansprechen, die gerade einmal so zwei tierische Mitbewohner dulden, aber Schmutz dürfen sie keinen machen. Kennen Sie den Ausspruch: „Kleinvieh macht Mist!“? Das könnte sich auf Meerschweinchen beziehen (oder auf Hamster usw.)
Lassen Sie es mich hier einmal ganz klar aussprechen: Meerschweinchen machen Schmutz! Natürlich verteilen sie das Streu und Heu liebevoll auch um den Käfig herum, genauso wie beim Freilauf, den sie für ein gesundes Meerschweinchenleben ebenfalls benötigen. Wenn
Sie damit nicht leben können, können Sie nicht mit Meerschweinchen
leben!
Also
Finger weg von Käfigen mit Plastikhauben – Ihre Meerschweinchen
werden es Ihnen danken. Mit
herzlichen Meerschweinchengrüßen Marion
Reich
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