Kastration beim weiblichen Meerschweinchen

Kastration weibliches Meerschweinchen

Fallbericht von Dr. Volker Harra, Vet. Journal

Vorgestellt wurde ein sehr hübsches Meerschwein, Glatthaar weiblich, 2,5 Jahre alt mit folgendem Vorbericht:

Den Besitzern bzw. eigentlich dem jungem Mädchen, dem das Tier gehört, fällt auf, dass sich das Tier fast nicht mehr am Bauch angreifen lässt und es immer dicker wird, obwohl die Futteraufnahme und Futtermenge nicht mehr geworden ist. Außerdem bzw. zusätzlich beginnt das Tier links und rechts seitlich im Nierenbereich mit einem leichten Haarausfall. Ansonsten sagt die Besitzerin, sei sie aber so wie immer.

Wir haben dann die Meerschweinchendame gründlich untersucht und ein im Nieren- bzw. Ovarbereich schmerzhaftes Abdomen festgestellt. Außerdem konnte man von außen schon „wunderbar“ fast kastaniengroße blasige Gebilde caudal der Nieren tasten und spüren. Die Palpation war schmerzhaft und wurde vom Tier schlecht toleriert.

Alle anderen klinisch relevanten Werte waren o.B. bzw. in Ordnung. Da die Diagnose, bds. kastaniengroße Ovarialzysten, bereits mit der klinischen Untersuchung derart eindeutig war und gestellt wurde, wurde kein Röntgen mehr gemacht und statt dessen sofort ein OP Termin zur Entfernung der Ovarzysten mit einer gleichzeitig durchgeführten Kastration fixiert.

Dem Meerschwein wurde präoperativ Rimadyl (Fa. Pfizer) als Analgetikum und Marbocyl (4mg/kg KGW, Fa. Vetoquinol) als Antibiotikum injiziert und danach eine Inhalationsnarkose mit Isouflouran gemacht. Dabei liegen die Tiere immer auf einer selbstregulierenden Heizmatte, damit zum einen keine Unterkühlung intraoperativ stattfindet und zum anderen es zu keiner Überhitzung durch eine Heizmatte mit fixer Temperatureinstellung kommt.

Die OP Vorbereitung mit Rasur, Desinfektion und steriler Abdeckung erfolgte wie bei jedem anderen Tier bzw. wie bei jeder anderen Bauch OP.

Ovarialzysten

Der OP Zugang erfolgt exakt median im Bereich der Linea alba, danach werden die beiden Ovarien nacheinander sehr vorsichtig (weil extreme Gefahr des Platzens und Einreißen des Ovarbandes und somit einer massiven Blutung besteht) vorverlagert, doppelt ligiert.

Wunderbar zu sehen am OP Bild ist die dünne Wand der Zysten mit der durchschimmernden klaren Flüssigkeit.

Zum Schluss wird am Uterus, knapp vor der Cervix eine Stumpfligatur - ebenfalls in doppelter Ausführung - durchgeführt. Bei Bedarf wird das Gekröse mit den Gefäßen auch noch extra ligiert. Manchmal, so auch bei diesem Fall, ist durch die großen Zysten das Ovarband so kurz, dass man keine Ligatur - ohne Gefahr zu laufen die direkt darunter liegende Niere zu schädigen - setzen kann; dann arbeiten wir mit dem Ligaclip System (siehe Bild), wo mit einer speziellen Zange Titanclipse zum Abbinden über die Gefäße gezwickt werden.

Ovarialzysten

Alle Ligaturen werden mit Bondek Nahtmaterial durchgeführt. Die Bauchdecke wird routinemäßig 3 schichtig verschlossen. Die Haut wurde mit 4-0 Stahldraht genäht um ein unnötiges Aufbeißen der Operationsstelle durch das Meerschwein zu verhindern. Post OP bekommt das Tier eine Infusion s.c. mit NaCl und einer Zuckerlösung (Amynin).

Bis zum kompletten Munterwerden wurde das Meerschwein in einer Thermobox gehalten. Wir haben dann noch für die Besitzerin die entnommen Zysten samt Uterushörner und Uteruskörper fotografiert um die Größe der Veränderungen deutlich zu machen

Ovarialzysten

Am Nachmittag wurde dann das Meerschwein von der jungen Besitzerin geholt. Als Nachbehandlung wurde dem Tier noch Marbocyl peroral (in der gleichen Dosierung wie oben angeführt) über 8 Tage von der Besitzerin verabreicht. Zusätzlich wurden die ersten 3 Tage post OP noch Rimadyl p.o. als Analgetikum verabreicht. Da das Meerschwein aber schon am OP Tag (abends) wieder normal gefressen hat, wurde auf die Operationskontrolle am nächsten Tag verzichtet. Nach 10 Tagen entfernten wir die Nähte.

Ca. 3 Monate post OP war das Meerschwein zur Korrektur der Nägel bei uns. Wie auf dem Bild unschwer zu erkennen ist, geht es dem Tier sehr gut.

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Aktualisierung:

23.11.2013

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