Kokzidien - Kokzidiose

Aus Meerschweinchennachrichten 3/2002

Autor: Gaby Gotschke

 
Liebe Meerschweinchenfreunde, 

nicht alle Durchfallerkrankungen sind durch falsches Futter begründet, hin und wieder hat hier noch ein „Anderer“ seine „Hände“ im Spiel.  Nachdem ich bei einem Neuzugang Bekanntschaft mit dieser „Nervensäge“ machen konnte, möchte ich Euch gerne darüber erzählen:

 
Kokzidien bei Meerschweinchen
Kokzidien sind einzellige, tierische Organismen (Protozoen) und gehören zu der Gruppe der  Endoparasiten (Innenschmarozer. Parasiten, die im Innern ihres Wirtes leben.).
Sie befallen die Darmschleimhaut von Wirbeltieren, in seltenen Fällen auch die Leber.
 

Die Symptome sind oft unauffällig; bei hochgradigem Befall und starker Parasitenvermehrung im Darmtrakt besonders

bei Jungtieren wässriger bis blutiger Durchfall, Anämie und Apathie. Gelegentlich wird ein aufgeblähtes

Abdomen (Bauch) gesehen.

 
Es kann sein, dass ein Meerschweinchen Träger dieser Kokzidien ist und keinerlei Symptome aufweist, bei Streß, und einem verminderten Immunsystem, wie z.B. Vergesellschaftung, die Symptome aber  dann voll zum Ausbruch kommen. Auch geht von diesen "Trägertieren" eine Ansteckungsgefahr für alle anderen aus.
 

Aus diesem Grund (und nicht nur diesem) kommt der Quarantäne bei Neuerwerb von Meerschweinchen eine große Bedeutung zu, wobei auch eine Kotuntersuchung beim Tierarzt sinnvoll ist. Der Kot wird zentrifugiert

und auf einen Mikroskopträger aufgebracht, darauf kann man die Einzeller sehr gut erkennen.

 

Es gibt verschiedene Infektionsmöglichkeiten, z.B. Haltung unter mangelhaften Hygienebedingungen, über Futter (auch biologisches Futter kann Träger sein), Futtertiere usw. Die Kokzidien werden mit dem Futter aufgenommen, ausgeschieden und nachdem Meerschweinchen ihren eigenen Kot fressen, wieder aufgenommen. Hier ist ein Kreislauf vorhanden den es gilt zu durchbrechen.

 

Zuerst einmal wird der Käfig und dessen Inneneinrichtung vollkommen ausgeräumt und mit einem guten Desinfektionsmittel gereinigt. Dann werden alte Tücher eingebreitet und darauf Küchenrolle, alles wird mehrmals am Tag gewechselt. Man beginnt eine Sulfonamid-Behandlung mit Toltrazuril (das momentan beste Mittel für Meerschweinchen) welches 3 Tage eingegeben wird, 3 Tage Pause und dann wieder 3 Tage Eingabe.

Das Mittel sollte direkt oral verabreicht werden, da die oftmalig empfohlene Eingabe per Trinkwasser aufgrund von nicht trinkenden Meerschweinchen nicht genügend Behandlungserfolg gewährleistet.

 

Bei Durchfall sollte das Tier auf Heu-Wasser Diät  gesetzt werden, um die bereits angegriffene Darmflora nicht noch mehr zu belasten. Wichtig ist, dass sämtliche Käfiggegenstände (auch Futterschüssel) täglich desinfiziert werden.

Um die Darmflora wieder aufzubauen, ist eine Behandlung mit -Bene-Bac-Pulver oder Enteroferment-Pulver mit einem Zeitabstand von 2 Stunden zu der Sulfonamid-Gabe zielführend.

Eine nochmalige Untersuchung des Kotes durch den Tierarzt ist nach ca. 17 Tage sinnvoll.

 

Nach der abgeschlossenen Behandlung mit Toltrazuril und nachdem das Meerschweinchen wieder

normale Köttel produziert ist eine Weiterführung der Diät von ca. 1 Woche vorteilhaft.

 

Zusammenfassung, wann der Verdacht auf Kokzidien gegeben ist:

- Durchfall der sich trotz Diätmaßnahmen Heu-Wasser nicht in den Griff bekomme läßt

- Blähbauch der sich hartnäckig hält und ebenfalls aufgrund von Diätmaßnahmen immer wieder kommt.

 

Achtung! Durch die angeschlagene Darmflora haben leider auch Hefepilze ein Leichtes sich im Darm der Meerschweinchen breit zu machen. Sind keine Kokzidien mehr nachweisbar, der Durchfall aber trotzdem noch

vorhanden, ist die Untersuchung auf Hefepilze sehr ratsam.

Auch hier gibt es gute Mittel, um diesen unerwünschten "Besucher" wieder loszuwerden.

 

Alarmstufe Rot ist erreicht, wenn das Schweinchen aufgrund des Befalles nicht fressen möchte,

dann sorgen Sie bitte dringend für eine "Zwangsernährung" und am besten mit Critical Care .

 

Diese Informationen ersetzten NICHT den Tierarztbesuch !!!!

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Medizinische Beratung: Dr. Hermann Wenzel/Deutschland - Ehrenmitglied des MFiÖ

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