Mythos Kuscheltier

Mythos Kuscheltier

von Dr. Marion Reich

Kaninchen tun es - Ratten und Mäuse tun es - Hamster tun es ganz sicher nicht - und Meerschweinchen? Die Rede ist von dem, was man im alltäglichen Sprachgebrauch gerne als Kuscheln bezeichnet. Korrekt ausgedrückt handelt es sich dabei um Kontaktliegen (also Liegen mit Körperberührung) und um soziale Fellpflege. Hält man eine Gruppe Mäuse, schlafen die Tiere mit Vorliebe eng aneinander gekuschelt, auf- und untereinander und überhaupt in einem großen "Mäusehaufen". Auch Kaninchen"kuscheln" gerne, schlecken einander gegenseitig an Stellen ab, an die sie allein nicht leicht herankommen, und schlafen auf Tuchfühlung. Mäuse, Ratten und Kaninchen sind eindeutig Kontakttiere.

Aber Meerschweinchen sind doch ein bisschen anders. Während Meerschweinchen als Jungtiere ebenfalls ausgeprägtes Kontaktliegen zeigen, sind erwachsene Meerschweinchen sehr auf ihren Individualabstand bedacht. Es kommt auch selten vor, dass sich Meerschweinchen, die sich wohl fühlen und entspannt sind, eng nebeneinander legen, vorausgesetzt natürlich sie haben ausreichend Platz zur Verfügung. Denn "kuscheln" tun Meerschweinchen eigentlich nur, wenn ihnen kalt ist, wenn sie sich fürchten oder sonst unter starkem Stress stehen und manchmal wenn sie krank sind. Auch Meerschweinchen- Senioren haben unter Umständen ein höheres "Kuschelbedürfnis", was manchen Meerschweinchenhalter freut, wenn er endlich mit seinem vermeintlichen "Kuscheltier" auch tatsächlich kuscheln kann.

Ein geräumiger Käfig ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich Meerschweinchen wohlfühlen. So können sie einander auch einmal aus dem Weg gehen und an unterschiedlichsten Plätzen schlafen oder fressen. (Bild anklicken zum vergrößern)

Natürlich kann es individuell immer besondere Vorlieben geben, aber im Allgemeinen ist es ein eher schlechtes Zeichen, wenn sich Meerschweinchen eng aneinanderschmiegen. Viel häufiger beobachtet man, dass ein Schweinchen in einer Ecke des Käfigs liegt und sich das andere Schweinchen möglichst weit davon entfernt ausstreckt. Daher ist es auch so wichtig, dass ausreichend Schlafgelegenheiten zur Verfügung stehen. Die Mindestanforderung für zwei Tiere sollte drei räumlich getrennte Schlafplätze beinhalten. Ideal ist es auch, wenn das Dach eines Häuschens oder eine zweite Ebene als zusätzlicher Schlafplatz genutzt werden kann, auch wenn nicht alle Meerschweinchen eine zweite Ebene nutzen. Meine beiden Pärchen bewohnen im Moment jeweils einen Käfig mit einer Grundfläche von etwa 1 Quadratmeter und 7 verschiedenen Schlafplätzen, die eifrig abwechselnd genutzt werden. Außerdem schätzen sie die Möglichkeit, sich gegenseitig aus dem Weg gehen zu können, sehr. Da meine Käfige jeweils aus zwei "Zimmern" bestehen, sprich aus zwei aneinander gestellten Käfigen, kommt es häufig vor, dass jedes Schweinchen in einem Käfig schläft. Allerdings ist es nicht so, dass ein Tier jeweils einen Käfig bevorzugt. Im Gegenteil, es findet ein munterer Wechsel statt, man schläft einmal gemeinsam in dem einen Käfig, einmal gemeinsam in dem anderen und dann wieder in getrennten Käfigen. Das gleiche gilt auch beim Heufressen - nur beim Grünfutter muss man natürlich möglichst Seite an Seite bleiben, damit man dem anderen auch wirklich alles wegfressen kann.

Und was bedeutet die Tatsache, dass Meerschweinchen keine ausgeprägten Kontakttiere sind, in Bezug auf ihren Ruf als Kuscheltiere? Ganz einfach: Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere. Natürlich gibt es immer wieder Tiere, die kuschelbereiter sind als andere, aber im Allge- meinen müssen Meerschweinchen lernen, sich ankuscheln zu lassen. Sie lernen, es zu erdulden, und sie lernen es manchmal sogar zu schätzen. Aber man muss sich als Halter immer bewusst sein, dass es für die meisten Meerschweinchen von Anfang an kein Vergnügen darstellt, gestreichelt, hochgehoben und angedrückt zu werden, sondern puren Stress. Und so gerne man mit seinen Tieren kuschelt - und ich kuschle wirklich gern mit meiner Schweinchenbande - muss man sie langsam daran gewöhnen, auf individuelle Vorlieben Rücksicht nehmen und die Körpersprache der Tiere immer im Auge behalten, damit aus dem von Menschen so geschätzten Körperkontakt kein einseitiges Vergnügen wird. Der erste Ausflug in den Garten ist schon ein Grund zum Kuscheln, so aufregend ist das. (Bild anklicken zum vergrößern)

Marion Reich

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23.11.2013

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