Osteodystrophie

Osteodystrophie

Aus Meerschweinchen-Nachrichten des MFIÖ 2/2001, Bericht von (Dr. Hermann Wenzel).

In den letzten Monaten gab es große Aufregung über eine Knochenerkrankung, die anscheinend nur bei Satin-Meerschweinchen auftritt. (Satinmeerschweinchen sind eine spezielle Zuchtform, die in allen Farben und Felltypen gezüchtet werden kann. Sie zeichnet sich durch besonders starken Glanz des Felles aus. Dieser wird dadurch hervorgerufen, dass die einzelnen Haare hohl sind). In Deutschland war man soweit, die Zucht von Satin-Tieren einzustellen und auch von einem Zuchtverbot war bereits die Rede. Nach genaueren Untersuchungen stellte sich heraus, dass nicht alle Satintiere davon betroffen sind und diese Erkrankungsform auch bei normalen Glatthaartieren zu finden war. Eva Fuchs und Renate Friesenhahn in Deutschland sammelten Daten über Satin-Meerschweinchen. Es kristallisierte sich heraus, dass teilweise ganze Zuchtlinien von dieser Erkrankung betroffen, andere wiederum völlig frei sind.

Frau Dr. Anja Ewringmann referierte auf der 14. Bundesdeutschen Meerschweinchen-Ausstellung in Frankfurt/Main über die Erkrankungsproblematik der Satin-Meerschweinchen.

Bei der Osteodystrophie handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung der Knochen. Normalerweise findet im Skelett ein ständiger Auf- und Abbau der Knochensubstanz, speziell von Kalzium und Phosphor, statt. Bei der Osteodystrophie wird den Knochen zwar das Kalzium entzogen, jedoch kein neues eingebaut. Dessen Platz wird durch weniger stabiles Fasergewebe ersetzt, so dass die Knochen aufgetrieben werden und das Skelett weich und instabil wird.

Vor einigen Jahren stellte sich heraus, dass Satinmeerschweinchen gehäuft an dieser Osteodystrophie erkranken. Es bestand der Verdacht, dass die Krankheit erblich bedingt ist und direkt mit der Erbanlage für das Satinfell zusammenhängt. Ob es tatsächlich so ist, d.h. ob alle Satinmeerschweinchen betroffen sind, wird nach neuesten Untersuchungen angezweifelt.

Symptome:

Eileen

Bei manchen Satinmeerschweinchen sind vor allem die Oberschenkelknochen betroffen, bei anderen Schädel und Kiefer. Das bedeutet, die einen haben zunächst Schwierigkeiten bei Laufen und versuchen in der Ruhephase die Hinterbeine zu entlasten, die anderen beim Fressen, manche auch beides. Im Anfangsstadium bemerkt man an den Tieren Gewichtsabnahme bei normalem Freßverhalten, dann bevorzugen sie hauptsächlich Weichfutter, später Bewegungsstörungen und hoppelnden Gang. Bisher bekannte Ursachen (Fütterungsfehler, Leber- und Nierenerkrankungen, Mangel an Sonnenlicht) konnten bei den untersuchten Satinmeerschweinchen ausgeschlossen werden. Die Osteodystrophie ist bei ihnen weder aufzuhalten noch zu heilen.

Diagnose:

Röntgen (dazu ist bei Schweinchen nur in Extremfällen eine Narkose indiziert!) der Hüftgelenke in Rückenlage, wie die HD-Untersuchung beim Hund, Röntgen des Schädels in zwei Ebenen (seitlich und von oben), erniedrigter Kalzium- (8,2-12,0 mg/dl) und erhöhter Phosphorgehalt (3,0 - 7,6 mg/dl) sowie eine deutliche Erhöhung der alkalischen Phosphatase (55-108 iU/l) im Blut (normale Blutwerte nach Hillyer/Quesenberry).

Aussagekräftig sind zunächst die Röntgenbilder, man findet eine Änderung der Blutparameter erst nach dem Auftreten klinischer Symptome. Im Röntgenbild sind als erste Verdachtsmomente, die sonst deutlich gezeichneten Ränder der Knochen verschwunden oder nur verschwommen sichtbar.

Wenn Satintiere keine Veränderungen zeigen, sollen sie erst im Alter von etwa einem Jahr geröntgt werden.

Bei der Osteodystrophie scheint es sich um einen genetischen Defekt zu handeln, der rezessiv vererbt wird und der die Kalzium-Resorption verhindert. Osteodystrophie tritt gehäuft im Alter von 1-1 1/2 Jahren auf. Nachdem in jüngster Zeit auch sehr alte Tiere ohne positive Röntgenbefunde untersucht worden sind, scheint es keine Krankheit aller Satintiere, sondern nur bestimmter Linien oder Zuchten zu sein.

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08.11.2013

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