Operationen

Operationen

Wir möchten sie hier zunächst allgemein über Operationen informieren, was vorher und hinterher zu beachten ist und dann über zwei der am häufigsten bei Meerschweinchen durchgeführeten Eingriffe berichten, der Kastration von Böcken und der Operation von Eierstockszysten bei weiblichen Tieren.

Was ist vor einer Operation zu beachten?

Tierhalter

Vor einer planbaren Operation sollten das Tier natürlich möglichst gesund sein. Einige Tage vor einer Operation kann durch Gabe von Vitamin C ein positiver Effekt auf Wundheilung und Steigerung der Abwehrkräfte erzielt werden.

Narkosevorbereitung

Das Ausnüchtern eines Meerschweinchens vor einer Operation ist nicht sinnvoll, da mangels erneuter Futteraufnahme auch die Magenentleerung stillsteht. Meerschweinchen können nicht erbrechen und somit ist auch kein Risiko der Futteraspiration in der Narkose gegeben. Eine Ausnüchterung könnte statt dessen zu einer Ketose führen, wodurch eine zusätzliche Narkosebelastung erst zu einem echten Risiko wird. Deswegen können die Tiere bis zum Abend vor der Operation noch normal fressen, am Operationstag sollen sie natürlich auch nicht vollgefressen sein, aber ein kleines Frühstück schadet mit Sicherheit nicht. Das Transportbehältnis wird mit Hand- oder Badetüchern bestückt um dieses abzudichen, dass beim Transport keine Kälte oder kein Luftzug entstehen kann. Im Caddy kann Heu und auch etwas vom gewohnten Futter mitgenommen werden. Wenn ein geeignetes Partnertier zur Verfügung steht, kann dieses den Patienten begleiten.

Tierarzt

Die Operation sollte immer auf einer temperierten Unterlage erfolgen. Der geschorene Bereich muss so klein wie möglich gehalten werden, damit die Tiere möglichst wenig auskühlen.

Alle Meerschweinchen bleiben bis zum vollständigen Erwachen unter Beobachtung. Sie müssen unter Rotlicht, auf Wärmekissen oder zwischen mit warmem Wasser gefüllten Behältnissen (OP-Handschuhe, Infusionsflaschen) oder Hot-Packs aufrecht gelagert werden. Erst wenn die Körpertemperatur wieder im physiologischen Bereich (mindestens 38,5 C) liegt, sie Futter aufnehmen, Kot und Harn abgesetzt haben und auch ansonsten fit wirken, sollten sie an den Besitzer zurückgegeben werden.

Sinnvoll ist es, Tieren mit schlechtem Allgemeinbefinden 1-2 Stunden vor einer OP noch den Flüssigkeitshaushalt über subkutane Infusionen mit Elektrolytlösung auszugleichen, evtl. 2,5%ige Glukoselösung zur Vermeidung einer Hypoglykämie zu geben.

Als Prämedikation hat sich der Einsatz von Prednisolon oder Methylprednisolonsuccinat zur Verhinderung intraoperativer Schockzustände, sowie die Applikation von Atropin zur Vermeidung einer gesteigerten Bronchosekretion bewährt. Dabei treten keine negativen Auswirkungen auf das Immunsystem der Tiere oder Wundheilungsstörungen auf.

Nach sehr schmerzhaften Eingriffen ist der Einsatz von Analgetika (z.B. Metamizol), bei schweren postoperativen Schmerzen von Buprenorphin (Temgesic) indiziert. Vorbeugend kann ein NSAID (z.B. Meloxicam) bereits vor dem Eingriff angewendet werden.

Die Pulsfrequenz kann durch ein Pulsoximeter bestimmt werden, das an den Ohren oder den Pfoten befestigt wird. Auf ein Ausbinden der Vordergliedmaßen sollte nach Möglichkeit verzichtet werden, um die Atmungsaktivität so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

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Narkose

Es gibt unterschiedliche Formen der Narkose, deren Anwendung auch von der Art der Operation abhängig ist. Die beste Narkose ist immer die, welche der Operateur zuverlässig beherrscht!

Injektionsnarkose

antagonisierbare Narkose

Die gebräuchlichste Injektionsnarkose ist die Kombination von Ketamin mit Xylazin oder Medetomidin. Sie ist kostengünstig und ohne apparativen Aufwand durchzuführen, ist jedoch schlecht steuerbar und besitzt lange Einschlaf- und Aufwachphasen. Sehr schonend ist die "antagonisierbare Narkose" mit Medetomidin, Midazolam und Fentanyl, weil sie jederzeit komplett rückgängig gemacht (Antisedan, Anexate, Naloxon) werden kann. Sie ist relativ teuer und wegen des verwendeten Opioids hochgradig "verwaltungsintensiv" (BtMG).

Inhalationsnarkose

Zahnbehandlung unter Inhalationsnarkose

Der Vorteil der Inhalationsnarkose besteht in kurzen Einleitungs- und Aufwachphasen sowie einer guten Steuerbarkeit. Die alleinige Anwendung von Isofluran empfiehlt sich nur für kürzere, weniger schmerzhafte Eingriffe, weil es zwar hypnotisch und muskelrelaxierend, aber nur wenig analgetisch wirkt. Die reine Inhalationsanästhesie führt zu einem Blutdruckabfall. Sinnvoll ist die Prämedikation mit Atropin, da es sonst zu starker Speichelbildung und Bronchosekretion kommen kann.

Kombination Injektion- Inhalation

Kombination Injektions/Inhalations- Narkose

Diese Kombination bietet den Vorteil, dass durch eine sedierende Prämedikation Stress vermieden und die Gesamtmenge der Anästhetika gesenkt werden kann. Mittels Inhalation von Isofluran kann die Narkose beliebig vertieft oder verlängert werden. Diese Kombination wird besonders bei großen Operationen angewandt. Vorteil dieser Kombination ist, dass man die Stärken beider Regime kombinieren und die Nachteile weitgehend ausschalten kann.

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Wundverschluss

Die häufigsten Ursachen für Probleme mit der Wundheilung und Abszessbildung sind die verwendeten Fäden. Meerschweinchen vertragen nicht alle Nahtmaterialien gleich gut, speziell beschichtete Fäden können postoperativ heftige Gewebsreaktionen verursachen.

alles Überstanden

Man unterscheidet zwischen resorbierbarem und nicht resorbierbarem Nahtmaterial. Resorbierbare Fäden werden im Körper von Enzymen durch Hydrolyse abgebaut und haben eine Halbwertszeit von etwa 3 Wochen, eine komplette Absorption erfolgt nach 60-90 Tagen. Zum Abbinden von Samensträngen und Gefäßen verwendet man resorbierbare Nahtmaterialien, weil diese Fäden im Normalfall nicht wieder entfernt werden können. Die Hautwunde kann auf unterschiedlichste Art versorgt werden. In den meisten Fällen wird sie vernäht, auch Verkleben mit Gewebekleber, Klammern oder gar offenlassen der Wunde sind häufig angewandte Methoden. Gut bewährt hat sich die Verwendung verschweißter Nadel/Faden-Kombinationen zum Vernähen.

Nahtmaterial

Morgenegg verwendet als Ligatur von Samenstrang, Gefäßen und Processus vaginalis Titan-Clips aus der Gefäßchirurgie, die von Meerschweinchen reaktionslos vertragen werden. Auch wird die Wunde nicht vernäht, sondern lediglich wenige Sekunden zusammengedrückt (VETimpulse, Ausgabe 13, 1. Juli 2007). Auch ein Wundverschluss mit Gewebekleber hat sich bei kleinen Wunden gut bewährt. Nicht resorbierbare Fäden und Klammern müssen nach 10 Tagen wieder entfernt werden, meist haben das die Tiere inzwischen aber längst selbst übernommen.

Was ist nach einer Operation zu beachten?

alles Überstanden

Meerschweinchen bleiben bis zum vollständigen Erwachen unter Beobachtung des Tierarztes! Sie müssen unter Rotlicht, auf Wärmekissen oder zwischen mit warmem Wasser gefüllten Behältnissen aufrecht gelagert werden. Erst wenn sie Futter aufnehmen, Kot und Harn abgesetzt haben und auch ansonsten fit wirken, das sollte spätestens nach 2 Stunden wieder der Fall sein, sollten sie an den Besitzer zurückgegeben werden.

Antibiotikagabe und Schmerzmanagement?

Nach Operationen wird allgemein eine fünftägige antibiotische Versorgung und Schmerzmittelgabe empfohlen. Schweinchen leben, laufen und schlafen sehr nahe am Boden, der mit Einstreu, Kot und Urin verschmutzt ist. Es ist einfacher, einer möglichen Infektion vorzubeugen als später eine zu behandeln. Dem entgegen steht die Tatsache, dass oral verabreichte Antibiotika ernste Störungen der Verdauung bewirken können. Gut bewährt hat sich nach einer Operation die Gabe von Arnika D12 Globuli über 5 Tage, das kann die Wundheilung beschleunigen und entzündungshemmend wirken.

Tücher als Unterlage?

alles Überstanden

Das Schweinchen sollte, bis die Wunde trocken ist, auf sauberen, bevorzugt weißen Tüchern gehalten werden, die ausreichend oft gewechselt werden können. So kann man am besten Kot und Urin beurteilen und eventuelle Blutspuren erkennen. Vorsicht bei der Verwendung von papierartigen Einlagen, die werden gerne gefressen.

Eigene Erfahrungen zeigen, dass die Verschmutzung des Tieres bei Haltung auf Tüchern größer sein kann als auf Einstreu! Auf Tüchern werden Köttel und Urin großflächig verschmiert, auf Hobelspänen verschwinden sie schnell im Untergrund.

Trennung von Artgenossen?

Sobald das Schweinchen vollständig wach und wieder fit ist, kann es auch mit seinen Kumpels wieder zusammengesetzt werden. Das hat, wenn keine besonderen Umstände vorliegen sollten, einen positiven Einfluss auf den Appetit und Wohlbefinden.

Verhaltens-, Wund- und Gewichtskontrolle

alles Überstanden

Die Operationswunde sollte täglich auf korrekten Verschluss, Schwellung oder Austritt von Eiter überprüft werden. Gleichzeitig zeigt eine Gewichtskontrolle, ob das Tier normal frisst. Wenn das nicht der Fall ist oder der Patient sonstiges unnormales Verhalten zeigt wie Müdigkeit oder Apathie ist das als Alarmzeichen zu werten und umgehend der Tierarzt informiert werden.

Haltung

Bis zur völligen Wiederherstellung sollen nach Bauchoperationen oder Kastrationen alle Rampen, Klettermöglichkeiten und zweiten Ebenen entfernt werden, um die Gefahr der Überlastung der Wunde zu verhindern.

Komplikationen

alles Überstanden

Sollte sich ein Tier einen Faden selbst ziehen, ist das kein Grund zur Panik. Ob der Wundverschluss dann erneuert werden muss, entscheidet das Aussehen der Wunde. Eventuell muss dem armen Kerl eine "Hose" oder ein Halskragen angelegt werden, damit er die Wunde in Ruhe lässt. Hin und wieder kommt es vor, dass sich die Wunde trotz aller Hygienemaßnahmen entzündet. Meist sind dafür die benutzten Fäden verantwortlich. In den meisten Fällen bildet sich ein Abszess, der geöffnet, ausgedrückt und gespült werden muss. Dabei muss gezielt nach Fadenresten und speziell dem Knoten gesucht und diese entfernt werden. Nur dann besteht Aussicht auf eine zügige Heilung. Abszesse können sehr hartnäckig sein und müssen von innen heraus abheilen, wenn sie nicht total entfernt werden können.

Operationsprotokoll

Hier das Beispiel eines Operationsprotokolls für die Kastration eines Bockes.

Zusammenfassung

Operationen von Meerschweinchen sind bei vielen Tierärzten heute ein Routineeingriff. Sie können jedoch deutlich aufwändiger sein als vergleichbare Eingriffe bei anderen Spezies. Wenn Tierarzt und Tierbesitzer sich darüber im Klaren sind, dass beim Schweinchen besondere Risiken bestehen und spezielle Fakten berücksichtigt werden müssen, dann sollte einem komplikationslosen Verlauf der Operation nichts im Wege stehen.

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letzte
Aktualisierung:

23.11.2013

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