Schock

Der Schock - ein lebensbedrohender Zustand

Aus MFIÖ Nachrichten 1/2002, Autoren: Dr. Hermann Wenzel/Gaby Gotschke

Bereits ein paar Mal konnte man bei Meerschweinchen (es waren auch 3 von meinen Tieren betroffen) von einem Tag auf den anderen massive Atemprobleme feststellen bzw. waren bei anderen Meerschweinchenbesitzern auch Todesfälle darunter. Der Zustand war unerklärlich, es waren keine Anzeichen einer normalen Lungenentzündung vorhanden, die Erkrankung war rätselhaft. Nachdem ich in einer Diskussion etwas über eine so genannte Schocklunge gelesen hatte, wollte ich mehr darüber wissen und habe Herrn Dr. Hermann Wenzel wieder einmal um seine Hilfe gebeten.

Ein Schock ist ein akut bis subakut einsetzendes, fortschreitendes Kreislaufversagen. Durch verschiedene Ursachen kann ein Missverhältnis zwischen dem Herzminutenvolumen und der peripher benötigten Blutmenge entstehen. Deswegen versucht der Organismus, die verringerte Blutmenge auf die lebenswichtigen Organe zu konzentrieren, unwichtigere Teile werden nicht mehr durchblutet. Diese Zentralisation ist der wesentliche Kompensationsvorgang des Körpers.

Ein Schock verläuft in drei Phasen:

1.) Sofortige Reaktion des Körpers auf die Schockursache führt zunächst zu einem Anstieg von Blutdruck, Herz- und Pulsfrequenz, die Schleimhäute sind blassrosa gefärbt.
2.) In der zweiten Phase folgt Blutdruckabfall, der Puls wird schwächer und unregelmäßig, die Schleimhäute sind violett-grau und verwaschen.
3.) Irreversibler Schock - kein Puls fühlbar, hohe Herzfrequenz, Tod durch Versagen aller Organe

Jeder Schock bedeutet höchste Lebensgefahr und muss schnell und gezielt behandelt werden. Auch eine Vorbeuge ist möglich, z.B. vor Operationen.

Ursachen für einen Schock können sein:

Hier zitiere ich die einzige Quelle, die ich in der Literatur über Schock bei Meerschweinchen gefunden habe:
"Das Schockorgan des Meerschweinchen ist die Lunge. Durch Histaminausschüttung kommt es zu Bronchospasmen, interstitiellem und alveolärem Ödem, herdförmiger Atelektase, intravasaler Stase, zusammengesinterten Erythrozyten und Fetttropfen in kleinen Gefäßen mit folgender Hypoxie und Exitus" (Gabrisch/Zwart).

Das Besondere daran ist diese Lokalisation. Das "primäre Schockorgan" ist nicht bei allen Spezies gleich, beim Menschen ist es z.B. die Bauchhöhle.

Man muss also bei Schweinchen gerade bei plötzlich auftretenden Lungenerkrankungen, speziell wenn die Tiere ohne erklärbaren Grund beginnen, beim Atmen zu "rasseln" oder nach Luft zu schnappen, ein blaues Näschen bekommen, auch einen Schock mit in Betracht ziehen. In fortgeschrittenerem Stadium (Zentralisation) werden die Beine nicht mehr ausreichend durchblutet und die Tiere sind beinahe völlig ohne Muskeltonus ("wie ein nasser Sack").

Schockereignisse speziell beim Meerschweinchen:

An erster Stelle steht wohl der "Endotoxinschock" durch Bakteriengifte von E. Coli.
Dieser überall vorkommende Erreger, der die Möglichkeit hat, sich in für ihn optimalem Milieu explosionsartig zu vermehren, ist bei Schweinchen an Durchfällen beteiligt und kann speziell nach Antibiotikabehandlung gehäuft im Darm auftreten.

Häufige Todesursache bei Schweinchen ist leider immer noch der Hitzschlag, durch Flüssigkeitsverlust entsteht ein Schockzustand.

Bei älteren Tieren kann es durch Herz/ Kreislaufschwäche zum Schock kommen.

Ob und inwiefern psychische Belastungen bei Schweinchen an Schock beteiligt sein können, kann ich nicht beweisen, ich habe von mindestens zwei Fällen gehört, die nur diese Deutung zuließen. Diese beschriebenen Fälle mit der staubigen Einstreu könnten entweder ein allergischer Schock gewesen sein, aber auch "nur" so eine Art Staublunge. Eine Bekannte hatte einen frischen Ballen Einstreu im Zimmer der Tiere geöffnet, wenige Minuten später sind einige Tiere gestorben. In der folgenden Diskussion wurde dann auch der Verdacht geäußert, es könnten Keime, Pilze oder Hefen eine Allergie ausgelöst haben. Sie hatte glaube ich die Einstreu untersuchen lassen, es wurde nichts dergleichen darin gefunden.

Wesentlich erscheint mir, bei "Atemwegspatienten" zumindest differentialdiagnostisch an ein Schockgeschehen zu denken und vor jeder Operation einem möglichen Schock vorzubeugen.

Quellen:

Gabrisch K./Zwart P.: Krankheiten der Heimtiere, 5. Auflage; Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover 2001
Egner B.: Blutdruck auf den Punkt gebracht; Parey Buchverlag Berlin 2002

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