Sozialverhalten bei Meerschweinchen

Haltung, Sozialverhalten, Gruppenstrukturen, Lebensraum

jeweils der wilden Stammformen und

der domestizierten Formen von Meerschweinchen".

Am 26. 1.2002 war unser liebes Ehrenmitglied, Herr Dr. Hermann Wenzel

zu einem  verhaltensbiologischen Seminar der Universität Erlangen eingeladen.

 

Es ging um  "Haltung, Sozialverhalten, Gruppenstrukturen,

Lebensraum jeweils der wilden Stammformen und der domestizierten Formen von Meerschweinchen".

 

Sein Kommentar:

War sehr interessant, das mal aus biologischer Sicht vorgetragen zu bekommen.

Wer seinen "Sachser" und seinen "Beer" konzentriert gelesen hat

(aber wer hat das schon ;-))

konnte nicht allzu viele Neuigkeiten erfahren.

Es war aber immerhin ein sechsstündiger sehr interessanter Vortrag

über Meerschweinchen (Referent war Prof. U. Ganslosser).  

Nachfolgend seine kurze Zusammenfassung:

 

 

 

 

Aggressionsverhalten tritt erst ab dem 10. Lebenstag auf,

bis zum Alter von drei Monaten gibt es keine Ausbildung einer Rangordnung.

Ab diesem Zeitpunkt sind Jungböcke ranghöher als alle weiblichen Tiere.

Erst ab diesem Zeitpunkt beginnt auch die aggressivere Haltung

erwachsener Böcke gegen die Jungs.

 

 

 

Schwache Männchen bedingen Unruhe und Aggression weiblicher Tiere

in der Herde, die Damen brauchen ein Macho,

damit das soziale Gefüge nicht aus den Fugen gerät.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei gemischter  Haltung bilden sich etwa ab 6 Männchen Kolonien.

Das trifft sowohl  bei gewachsenen Gruppen

(wenn man zwei Schweinchen unterschiedlichen Geschlechts

zusammensetzt und lange genug wartet ;-))

als auch beim Einsetzen von Fremdtieren zu.

Innerhalb dieser Kolonien entstehen dann Reviere mit jeweils mehreren

Männchen und auch frei bewegliche Einzelpaare

(als ein Ehepaar ohne eigenes Haus),

die innerhalb dieser Reviere pendeln.

 

 

 

Die Revierinhaber achten sehr streng auf ihre "Herde".

So werden z.B. fremde Weibchen sofort vertrieben und nicht "angemacht",

damit deren Bock im Nachbarrevier keinen Grund zur Aggression hat.

Andere Böcke dürfen bleiben, so lange sie die Weibchen in Ruhe lassen.

 

 

 

Sobald ein Bock ein (an ihn) gebundenes Weibchen hat,

steigt er in der Rangordnung automatisch nach oben, der Verlust

des gebundenen Weibchens lässt ihn sozial sofort wieder abrutschen.

 

 

Bei Schweinchens ist die Scheidungsrate außerordentlich hoch,

es werden häufig die Partner gewechselt.

 

 

Weibchen sind schon vor der ersten Brunst für Böcke interessant,

interessieren sich selbst auch schon für Jungs.

 

 

Eine feste Beziehung zwischen Bock und Mädel entsteht erst nach

der ersten Trächtigkeit und es gibt auch homosexuelle Bockpaare.

 

 

 

 

 

 

 

Männchen werden sozial in STARKE, MITTLERE und SCHWACHE

eingeteilt. Jungs ohne Vaterkontakt werden immer schwache Böcke werden.

Eine frühzeitige Trennung von Eltern und Geschwistern

führt zu nicht sozialisierten Tieren.

Das gleiche gilt für früh kastrierte Böckchen,

sie werden alle "soziale Krüppel"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bereits leichter Stress

 (aus der Gruppe wird ein Weibchen genommen und durch ein fremdes ersetzt ->

"Softstress" für alle anwesenden Tiere)

führt bei tragenden Weibchen zu einem messbaren Testosteronanstieg (!),

bei ihren Töchtern zu einer Maskulinisierung,

bei Söhnen zu Infantilismus (Muttersöhnchen).

Dieses mütterliche Testosteron wirkt bei Fötus auf das Gehirn

(histologisch nachweisbar) und diese Wirkung bleibt zeitlebens bestehen.

 

 

Durch Feststellung endokriner Parameter Cortison, Testosteron, Noradrenalin)

aus Blutproben kann zuverlässig der soziale Status der Probanden ermittelt werden.

Ergebnisse in Deutsch ;-))

Jungtiere, die ohne Vater, Mutter und Geschwister aufwachsen,

werden zu 95% "soziale Krüppel", das heißt, sie sind später nicht in der Lage,

Stress- Situationen aus dem Weg zu gehen oder diese zu meistern,

sie können ihren eigenen sozialen Status

und auch nicht den eines Gegenübers einschätzen.

Tiere können aufgrund von sozialer oder körperlicher Belastung sterben.

Gestresste Tiere haben über lange Zeit einen riesig erhöhten Cortisolspiegel,

in Folge dessen das Immunsystem zusammenbricht

und Krankheiten ein leichtes Spiel haben.

Bericht aus den Meerschweinchen Nachrichten 1/2002 

des Vereins der Meerschweinchenfreunde in Österreich 


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Medizinische Beratung: Dr. Hermann Wenzel/Deutschland - Ehrenmitglied des MFiÖ

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