Sumpfmeerschweinchen

Eine neue Meerschweinchenart:
Das Sumpfmeerschweinchen (Cavia magna)

Von Björn Jordan

Seit etwa zwei Jahren werden regelmäßig Magna-Sumpfmeerschweinchen in deutschen Zoos und nun auch vereinzelt von Privathaltern gepflegt. Die Tiere stammen ursprünglich aus einem Import der Uni Bielefeld.

Das Sumpfmeerschweinchen wird zoologisch der Ordnung Rodentia und der Familie der Meerschweinchen (Caviidae) zugeordnet. Die Art Cavia magna wurde von Ximenez 1967 zunächst als Unterart Cavia aperea rosida beschrieben, 1980 dann jedoch als eigene Art: Cavia magna. Eine genetische Analyse deutet darauf hin, dass Cavia magna sich von Cavia fulgida vor ca. 5.500 Jahren abgespalten hat, also eine relativ "junge" Art ist (Bonatto et al. 1995).

Von den bereits bekannten und öfters gehaltenen Wildmeerschweinchen (Cavia aperea) unter- scheiden sich die Sumpfmeerschweinchen durch ein etwas höheres Körpergewicht und einen breiteren und eher stumpfen Schädel. Die schwarze und relativ lange Rückenbehaarung gab den Tieren ihren spanischen Namen, der so viel bedeutet wie das Wildmeerschweinchen mit dem dunklen Rücken. Charakteristisch ist außerdem der orange Unterton in der Fellfärbung sowie die relativ kleinen, derben Ohren.

Außerdem haben Sumpfmeerschweinchen längere und breitere Füße mit einer recht ausgeprägten Interdigitalmembran (Zwischenhaut der Zehen). Diese Merkmale stellen vermutlich eine Anpassung der Tiere an die nassen Habitate im Herkunftsgebiet dar. In meiner Freianlage mit Wasserlauf konnte ich jedenfalls beobachten, dass die Tiere sehr gut schwimmen können und keineswegs wasserscheu sind. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Tiere sind die Küstengebiete im Nordosten Uruguays und Südosten Brasiliens. Die von Cavia magna bewohnten Habitate sind die sehr feuchten, oft saisonal überschwemmten, Flussufer und Lagunengebiete, die sich an die Dünenlandschaft der Atlantikküste anschließen. Dort bieten ihnen dichte Schilfgebiete Deckung, die sie nur zum "Weiden" verlassen. Hauptnahrung sind Gräser, aber auch Kräuter und die zarten Triebe junger Stauden.

In den wissenschaftlich bereits näher untersuchten Gebieten in Rocha, Uruguay, besaßen die Tiere keine stabilen Streifgebiete, sondern verlagerten ihren Aktionsschwerpunkt je nach Wasserstand und Futterangebot.

Die Tiere sind wie alle Meerschweinchen extreme Nestflüchter; die Jungtiere kommen sehr weit entwickelt zur Welt, sind von Geburt an voll mobil und beginnen mit der Aufnahme von fester Nahrung schon nach wenigen Tagen. Die Tiere pflanzen sich das ganze Jahr über fort, die meisten Jungtiere werden jedoch zwischen Ende September und Anfang April geboren.

Das Magna- Sumpfmeerschweinchen erreicht in Gefangenschaft ein Gewicht von 500-600 g, das Geburtsgewicht beträgt 60-80 g. Die Jungtiere werden nach einer Tragzeit von 64 Tagen geboren. Jüngere Weibchen werfen meist nur ein Junges, ausgewachsene Tiere oft zwei oder ganz selten auch drei. Weibliche Tiere erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 5 Wochen.

Besonders auffällig sind die stark vergrößerten Geschlechtsorgane der Weibchen die bei der Geschlechtsbestimmung zu irritierenden Missverständnissen führen können. Innerhalb der Kolonien, die sehr hohe Dichten erreichen können, leben die Tiere solitär: Sie vermeiden zwar den Kontakt nicht, doch scheinen sie auch keine stabilen sozialen Bindungen einzugehen.

Die Tiere werden bei mir in Familiengruppen, bestehend aus einem Männchen und mehreren Weibchen, gehalten. Als Grundfläche sollte den Tieren - gemäß den Empfehlungen über Mindestanforderungen für die Haltung von Säugetieren - ein Gehege mit etwa 3 qm zur Verfügung stehen. Ein Wasserlauf oder ein großer mit Wasser gefüllter Blumenuntersetzer werden von den Tieren gerne angenommen - insbesondere um darin Kot abzusetzen. Erstaunlich und interessant ist, dass selbst einige Tage alte Jungtiere bereits schwimmen können.

In meiner größten Anlage (Innengehege: 2 qm, Außenvoliere: 8 qm) halte ich die Magna-Sumpfmeerschweinchen zusammen mit Felsenmeerschweinchen (Kerodon rupestris) und Katharinasittichen (Bolborhynchus lineola) was problemlos funktioniert. Während des Winters steht den Sumpfmeerschweinchen ein frostfreier trockener Innenraum zur Verfügung. Die Tiere werden mit Meerschweinchen-Trockenfutter, Frischfutter (Möhren, Äpfel, Gurke, Paprika, Salat, Wiesengrün) und reichlich Heu gefüttert. Es bleibt zu hoffen, dass die Magna- Sumpfmeerschweinchen auch künftig regelmäßig gehalten und nachgezogen werden und sich weitere interessierte Halter finden.

Verfasser: Björn Jordan, Beim Aussichtsturm 1, 90556 Cadolzburg

Quellen: Kraus, Cornelia, Uni Bielefeld, Einige Informationen zum Sumpfmeerschweinchen (interne Mitteilung)
Bonatto, S. L., Schneider, M. P. & Cordeiro, A. R. 1995. Evolution of isoesterase tissue expression patterns in Cavia (Caviidae, Rodentia). Brazilian Journal of Genetics, 18, 391-396.
Ximanez, A. 1967. Consideraciones sobre un mamfero nuevo para el Uruguay: Cavia aperea rosida Thomas 1917 (Mammalia-Caviidae). Comunicaciones Zoologicas del Museo de Historia Natural de Montevideo, 116, 1-5.
Ximenez, A. 1980. Notas sobre el genero Cavia pallas con la descripcion de Cavia magna sp. n. (Mammalia-Caviidae). Rev. Nordest. Biol., 3, 145-179.

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