TROCKENFUTTER

Aus MFIÖ Nachrichten 2/2003

Autor: Dr. Hermann Wenzel

 


Die wichtigste Forderung für die Gesundheit der Meerschweinchen ist neben der Haltung

die möglichst artgerechte Ernährung. Nur so ist gewährleistet,

dass die vorhandenen körperlichen Voraussetzungen dieser Tierart optimal ausgenutzt werden.

 

Die Ernährung der Meerschweinchen muss wegen des permanenten Zahnwachstums

zwei physikalische Nahrungskomponenten berücksichtigen.

Sie benötigen zwingend Material zum Nagen und Abschleifen der Schneidezähne - dazu gehört beinahe alles,

woran die Schweinchen knabbern können und schwer kaubare Futterbestandteile,

die sehr lange zermahlen werden müssen um die Backenzähne in Form zu halten.

 

Diese Nahrungsbestandteile müssen ständig verfügbar sein,

nur durch ständigen Nachschub wird die Nahrung aus dem Magen weiter in den Darm befördert,

nur so sind ein konstanter Nahrungstransport und eine optimale Ausnutzung der Verdauungsorgane gewährleistet.

 

In ihrem ursprünglichen Lebensraum ernähren sich die Meerschweinchen

überwiegend von kargem Gras, Blättern und Kräutern, welche diese Anforderungen erfüllen.

In unseren Haushalten erfüllt Heu diesen Zweck!

 

Den domestizierten Schweinchen werden vielfach industriell hergestellte Trockenfutter angeboten,

die den Vorteil haben, dass sie überall gekauft und über lange Zeit gelagert werden können und so stets verfügbar sind.

 

Leider haben diese Futtermischungen häufig auch gravierende Nachteile,

die sich auf Gesundheit und Wohlbefinden der Schweinchen erheblich auswirken können:

 

   
 

Nicht immer entsprechen Inhaltsstoffe und Zusammensetzung

den Anforderungen der Tiere.

     
 

Zucker, Mehl, Saaten und Honig werden überwiegend zu leichtverdaulichem

Zucker abgebaut und können deshalb das Darmmilieu der Meerschweinchen

ungünstig beeinflussen.

     
 

Pflanzliche und tierische Nebenerzeugnisse sind undefinierbare Abfallprodukte

aus der Lebens- bzw. Futtermittelherstellung.

     
 

Nüsse, Getreide, Milch- und Molkereierzeugnisse,

Joghurtpulver, Milch-, Joghurt- und Schokoladendrops bestehen aus Inhaltsstoffen,

die für das Meerschweinchen schwer verdaulich sind.

     
 

Trockenfutter hat ein relativ hohes Volumen,

so sind die Schweinchen nach dem Verzehr satt und haben kein Antrieb

zum weiteren lebenswichtigen Heuverzehr.

     
  Zucker in der Nahrung kann den pH-Wert des Urin verändern und dadurch Nieren/Blasenprobleme verursachen.
     
 

Ein Überangebot von Kalzium bzw. Vitamin D mit der Nahrung,

wie es z.B. im Luzerneheu, dem Grundstoff der meisten Trockenfutter enthalten ist,

kann zu Blasenschlamm und Blasensteinen führen.

     
 

Die Tiere nehmen zu viel Kalorien auf und können wegen des Überangebotes

an Energie verfetten.

     
 

Übergewichtige Tiere neigen zu Ballenabszessen, Bewegungsmangel

und Herz-Kreislauf- Erkrankungen.

     
 

Trockenfutter wird nur mit den Zähnen zerquetscht

und nicht lange genug mit den Backenzähnen gemahlen.

So können durch ungenügenden Zahnabrieb überlange Zähne

und Brückenbildungen entstehen.

     
 

Trockenfutter ist stark quellend. So kann anschließendes Trinken von Verstopfungen

über Magenüberladungen bis hin zu Rupturen führen.

     

 

Natürlich müssen die Tiere nicht vollständig auf Trockenfutter verzichten,

abhängig von ihrem körperlichen Anforderungen können sie zusätzlich zur normalen Nahrung,

bei Innenhaltung bis zu 10 g am Tag bekommen.

 

Die Menge an Trockenfutter  hängt von der Temperatur, dem Auslauf, der Bewegung,

der Dauer der Trächtigkeit ab, ich würde aber bei einer "normalen" Außenhaltung

von Frühjahr bis Herbst nicht mehr als 10 - 15 g/kg Trockenfutter geben,

natürlich zusätzlich zu Heu und Grünfutter.

 

Etwas anders ist es vielleicht bei tragenden Tieren,

da sollten aber auch nicht mehr als 20 g/kg verabreicht werden,

sonst werden die Schweinchen träge. Ich bin sicher, sie würden bei Großträchtigkeit

auch ohne Zusätze auskommen und wären dabei wahrscheinlich sogar noch gesünder

(Verfettung, Toxikose, allg. körperliche Fitness).

 

Die meisten Zusatzfutter werden aber von den Tierbesitzern mit dem Auge gekauft

und so werden diese hübschen farbigen Mischungen genommen,

weil man ja für seine Tiere etwas besonders Gutes haben will.

Meerschweinchen sind sehr wählerische Esser

und so klauben sie sich ihre Lieblingsbestandteile aus dem Futternapf heraus.

 

Die eigentlichen Nährstoffe bleiben weitgehend zurück.

So kann natürlich eine ausgewogene Ernährung,

selbst bei optimal zusammengesetztem Futter nicht funktionieren.

 

Trockenfutter sollte etwa in dieser Zusammensetzung vorliegen:

           
  Rohfaser   12 - 14%    
  Rohprotein   16 - 18%    
  Rohfett   3%  

 

Deshalb sollte die Einpellet- Fütterung bevorzugt werden.

Das Futter ist zwar nicht so schön bunt,

aber jeder einzelne Bissen enthält exakt die eingemischten Bestandteile.

 

  Rohasche   6 - 7%  
  Vitamin A   12000 i.E.  
  Vitamin C   200 - 300 mg  
  Vitamin D   500 - 700 i.E  
  Kalzium   3 - 6 g  
  Magnesium   1 - 2 g    
  Phosphor   2 - 4 g    

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